Schlagwort: Riesling

  • Johan Jostock – Das junge Winzertalent

    Es gibt Weingüter, die man kennt. Und es gibt Weingüter, die man kennen sollte. Das Weingut Jostock-Bülhoff aus Leiwen an der Mittelmosel gehört eindeutig in die zweite Kategorie – und das liegt vor allem an einer Person: Johan Jostock.

    Wer ist Johan Jostock?

    Johan ist jung. Und genau das macht es so spannend, ihm zuzuschauen. Bevor er die Verantwortung im eigenen Betrieb übernahm, hat er sich seine Sporen bei zwei der renommiertesten Adressen der deutschen Weinwelt verdient: erst bei Egon Müller in Wiltingen an der Saar, dann bei Dr. Loosen in Bernkastel-Kues. Zwei Weingüter, die weltweit für Riesling auf höchstem Niveau stehen. Wer dort lernt, hat verstanden, worum es geht.

    Zurück in Leiwen setzt er seitdem eigene Akzente. Die Philosophie ist klar: naturnahe Arbeit im Weinberg, Terroir-Charakter im Glas. Keine großen Kompromisse, keine Abkürzungen. Die Weine sollen zeigen, wo sie herkommen – und das tun sie.

    Was ich an Johan schätze, ist diese Mischung aus Respekt für die Tradition und einem ehrlichen Gestaltungswillen. Er ist kein Winzer, der den Stil seiner Ausbildungsbetriebe kopiert. Er sucht seinen eigenen Weg. Und das hört man in der Flasche.

    Kommen wir nun zu den Weinen

    Riesling Köwericher Laurentiuslay Kabinett – Der Star des Abends

    Kommen wir zum Herzstück: dem Riesling aus der Laurentiuslay. Diese Lage ist keine gewöhnliche. Die Steigung erreicht bis zu 70 Prozent, der Boden ist blau-grauer Devonschiefer, der Hang ist nach Südwesten ausgerichtet und fängt jeden Sonnenstrahl ein, den die Mosel zu bieten hat. Im Hochsommer sind hier Temperaturen von über 60 Grad im Boden gemessen worden – das ist keine Idylle, das ist harte Arbeit für Rebe und Winzer.

    Johans Kabinett aus dieser Lage ist einer jener Weine, die einem zeigen, warum Mosel-Riesling so einzigartig ist. In der Nase ein ganzer Obstkorb – Pfirsich, Zitrusschale, ein Hauch weißer Blüten. Am Gaumen dann diese mineralische Frische, die nicht nachlässt. Leicht, gerade mal zehn Prozent Alkohol – und trotzdem hat der Wein Tiefe und Haltung. Das ist keine Leistung die selbstverständlich ist. Das ist Handwerk.

    Eine Silbermedaille bei der Landesprämierung für Wein und Sekt 2023 hat er bereits eingestrichen. Verdient.

    Gutsriesling

    Wer Johan Jostock noch nicht kennt, sollte hier einsteigen. Der Gutsriesling ist der Visitenkartenwein des Hauses. In der Nase macht er sofort auf sich aufmerksam und am Gaumen setzt sich diese Frische fort. Nichts Überladenes, nichts Gesuchtes – einfach ein Wein, der Spaß macht und gleichzeitig zeigt, dass hier jemand mit Stilgefühl arbeitet. Die Saftigkeit, die Johan als roten Faden durch sein Sortiment zieht, beginnt genau hier.

    Riesling Spätlese

    Wer denkt, Spätlesen seien altmodisch, liegt falsch. Johans Spätlese aus der Laurentiuslay ist ein Argument für die klassische Moselstilistik. Reife Pfirsichnoten, ein Hauch Orange, dazu eine saure Mango-Note, die frech und belebend ist. Der niedrige Alkohol macht ihn zu einem vielseitigen Begleiter – zu asiatischer Küche genauso wie zu einem Sommernachmittag ohne großen Anlass. Ein Wein, dem man ein paar Jahre gönnen darf, wenn man möchte – dann entfaltet er sich zu noch mehr Komplexität.

    Weißburgunder

    Ja, Riesling dominiert die Mosel. Aber Johans Weißburgunder verdient einen kurzen Umweg. Grüner und gelber Apfel prägen das Bild, dazu eine frische, direkte Aromatik, die keinen Schnörkel braucht. Ein ehrlicher Wein, der nicht versucht, mehr zu sein als er ist – und genau deshalb gut funktioniert. Als Aperitif, zum Fisch, oder einfach für sich.

    Ein ehrliches Fazit

    Johan Jostock ist kein fertiger Winzer – und das meine ich als Kompliment. Er ist einer, der noch nicht am Ziel ist, weil er das Ziel immer weiter setzt. Die Weine sind auf einem sehr guten Niveau, besonders der Kabinett aus der Laurentiuslay zeigt bereits eine Reife und Präzision, die beeindruckt. Was ich mir für die Zukunft wünsche: noch mehr Mut, die einzelnen Lagen noch differenzierter herauszuarbeiten. Das Potenzial ist da – sowohl in den Weinbergen als auch im Keller.

    Eines ist sicher: Diesen Namen wird man öfter hören. Danke Johan für die tollen Weine.

    Euer Weinfreund