Kategorie: Weinempfehlungen

  • Burgund im Glas – Domaine d’Ardhuy, Savigny-lès-Beaune Clos des Godeaux 2023

    Es gibt Weine, die einem erklären, warum das Burgund so besonders ist. Nicht durch Lautstärke, nicht durch Kraft, sondern durch eine Stille, die eigentlich keine ist. Eine Stille voller Nuancen, voller Terroir, voller Geschichte.
    Der Chardonnay aus dem Clos des Godeaux von Domaine d’Ardhuy ist so ein Wein.

    Das Weingut – Familiengeschichte in Flaschen


    Domaine d’Ardhuy ist kein Name, den man kennen muss. Aber man sollte ihn kennen. Die Geschichte beginnt 1927, als Pierre André seinen ersten Weinberg in Aloxe-Corton kaufte. 1947 heiratete seine Tochter Éliane Gabriel d’Ardhuy – und aus dieser Verbindung entstand das Weingut, das heute 37 Hektar über Côte de Nuits und Côte de Beaune umfasst. Von Premiers Crus bis Grands Crus, von Gevrey-Chambertin bis Pommard – die Bandbreite ist beeindruckend.
    Was mich an diesem Haus besonders schätzen lässt: seit 2022 arbeitet das Domaine vollständig biologisch. Kein Marketingversprechen, sondern gelebte Überzeugung. Im Keller setzt man auf minimalen Eingriff, denn die Lage soll sprechen, nicht der Kellermeister.

    Die Lage – eine Parzelle mit Geschichte


    Der Clos des Godeaux liegt auf dem Hügel zwischen Pernand-Vergelesses und Savigny-lès-Beaune, auf rund 280 Metern Höhe, nach Süden ausgerichtet. Der Boden ist weißer Mergel über Kalkstein, arm, gut drainiert, schnell aufwärmend. Eine Parzelle, die sich die Rebstöcke hart erarbeiten müssen, was ihnen gleichzeitig Konzentration und Charakter gibt.
    Der Name Godeaux leitet sich möglicherweise vom lateinischen Wort für Tropfen ab – an diesem Ort sprudelten einst drei Quellen aus dem Kalkfels. 1858 wurde ihr Wasser kanalisiert, um das nahegelegene Dorf Aloxe-Corton zu versorgen. Was vom Wasser blieb, ist heute im Wein spürbar: eine mineralische Frische, die an Kalkstein und kühle Erde erinnert.

    2023 – ein Jahrgang für Weißweine


    Der Jahrgang 2023 war an der Côte de Beaune ein bemerkenswertes Jahr für Weißweine. Frühling und Sommer brachten Wärme und außergewöhnlich viel Sonne – ideale Bedingungen für eine langsame, gleichmäßige Reife. Die Weinlese begann am 12. September, zunächst in den frühen Morgenstunden, weil die Temperaturen am Tag noch zu hoch waren. Das sagt viel aus über die Sorgfalt, mit der hier gearbeitet wird.
    Das Ergebnis: Weine mit schöner Konzentration, natürlicher Süße der Frucht und gleichzeitig lebendiger Frische. Kein Jahrgang, der in Überreife versinkt, sondern einer, der Eleganz und Tiefe in eine Balance bringt, die man auch in einigen Jahren noch sehr gerne im Glas haben wird.

    Der Wein und was er zu sagen hat


    Im Glas zeigt sich ein helles Goldgelb mit leichten Grüntönen.
    In der Nase ist er sofort zugänglich: weißer Pfirsich, reife Birne, ein Hauch Zitrusschale, darunter etwas Blüte – vielleicht Akazien, vielleicht weiße Lilie. Nichts Gesuchtes, nichts Künstliches. Einfach das, was diese Traube auf diesem Boden in diesem Jahr geworden ist.
    Am Gaumen dann eine angenehme Fülle, die aber nie schwer wird. Die Eichenreifung – mindestens acht Monate auf der Feinhefe in französischen Eichenholzfässern – gibt dem Wein Struktur und einen feinen cremigen Schmelz, ohne die Frucht zu überdecken. Die Säure ist präsent, sauber und hat ein tragendes Gerüst. Der Abgang ist lang, mineralisch, mit einem Hauch Salz, der sich erst ganz am Ende zeigt und genau deshalb im Gedächtnis bleibt.

    Preisliche Einordnung – faire Burgund-Qualität


    Hier kommt der Punkt, der mich wirklich begeistert: Für das, was dieser Wein liefert, ist er bemerkenswert fair bewertet.
    Der Clos des Godeaux bewegt sich im Handel aktuell um die 35 bis 40 Euro. Das ist für einen Village-Chardonnay aus dem Burgund von einem Weingut dieser Qualität und mit diesem Terroir ein sehr vernünftiger Preis. Wer einmal erlebt hat, was ein Meursault oder ein Puligny-Montrachet auf ähnlichem Niveau kostet, weiß: Savigny-lès-Beaune ist noch immer eine der unterschätzten Appellationen der Côte de Beaune. Man bekommt burgundische Raffinesse, ohne dafür einen Premier-Cru-Preis zu zahlen.
    Ein Wein für den, der genau weiß, was er will und für den, der das Burgund gerade erst entdeckt und verstehen will, warum alle so davon reden.

    Fazit


    Nicht jeder große Wein kommt mit großem Namen. Der Clos des Godeaux von Domaine d’Ardhuy ist einer jener Weine, die still und selbstsicher im Glas stehen und einfach gut sind. Kein Aufreger, kein Showeffekt, aber eine Qualität, die man nach dem letzten Schluck noch eine Weile nachspürt.
    Burgund muss nicht immer teuer sein, um zu beeindrucken. Manchmal reicht eine kleine Parzelle auf 280 Metern Höhe, ein bisschen Mergel und Kalkstein und die Überzeugung, einfach nichts zu verderben.


    Euer Weinfreund

  • Johan Jostock – Das junge Winzertalent

    Es gibt Weingüter, die man kennt. Und es gibt Weingüter, die man kennen sollte. Das Weingut Jostock-Bülhoff aus Leiwen an der Mittelmosel gehört eindeutig in die zweite Kategorie – und das liegt vor allem an einer Person: Johan Jostock.

    Wer ist Johan Jostock?

    Johan ist jung. Und genau das macht es so spannend, ihm zuzuschauen. Bevor er die Verantwortung im eigenen Betrieb übernahm, hat er sich seine Sporen bei zwei der renommiertesten Adressen der deutschen Weinwelt verdient: erst bei Egon Müller in Wiltingen an der Saar, dann bei Dr. Loosen in Bernkastel-Kues. Zwei Weingüter, die weltweit für Riesling auf höchstem Niveau stehen. Wer dort lernt, hat verstanden, worum es geht.

    Zurück in Leiwen setzt er seitdem eigene Akzente. Die Philosophie ist klar: naturnahe Arbeit im Weinberg, Terroir-Charakter im Glas. Keine großen Kompromisse, keine Abkürzungen. Die Weine sollen zeigen, wo sie herkommen – und das tun sie.

    Was ich an Johan schätze, ist diese Mischung aus Respekt für die Tradition und einem ehrlichen Gestaltungswillen. Er ist kein Winzer, der den Stil seiner Ausbildungsbetriebe kopiert. Er sucht seinen eigenen Weg. Und das hört man in der Flasche.

    Kommen wir nun zu den Weinen

    Riesling Köwericher Laurentiuslay Kabinett – Der Star des Abends

    Kommen wir zum Herzstück: dem Riesling aus der Laurentiuslay. Diese Lage ist keine gewöhnliche. Die Steigung erreicht bis zu 70 Prozent, der Boden ist blau-grauer Devonschiefer, der Hang ist nach Südwesten ausgerichtet und fängt jeden Sonnenstrahl ein, den die Mosel zu bieten hat. Im Hochsommer sind hier Temperaturen von über 60 Grad im Boden gemessen worden – das ist keine Idylle, das ist harte Arbeit für Rebe und Winzer.

    Johans Kabinett aus dieser Lage ist einer jener Weine, die einem zeigen, warum Mosel-Riesling so einzigartig ist. In der Nase ein ganzer Obstkorb – Pfirsich, Zitrusschale, ein Hauch weißer Blüten. Am Gaumen dann diese mineralische Frische, die nicht nachlässt. Leicht, gerade mal zehn Prozent Alkohol – und trotzdem hat der Wein Tiefe und Haltung. Das ist keine Leistung die selbstverständlich ist. Das ist Handwerk.

    Eine Silbermedaille bei der Landesprämierung für Wein und Sekt 2023 hat er bereits eingestrichen. Verdient.

    Gutsriesling

    Wer Johan Jostock noch nicht kennt, sollte hier einsteigen. Der Gutsriesling ist der Visitenkartenwein des Hauses. In der Nase macht er sofort auf sich aufmerksam und am Gaumen setzt sich diese Frische fort. Nichts Überladenes, nichts Gesuchtes – einfach ein Wein, der Spaß macht und gleichzeitig zeigt, dass hier jemand mit Stilgefühl arbeitet. Die Saftigkeit, die Johan als roten Faden durch sein Sortiment zieht, beginnt genau hier.

    Riesling Spätlese

    Wer denkt, Spätlesen seien altmodisch, liegt falsch. Johans Spätlese aus der Laurentiuslay ist ein Argument für die klassische Moselstilistik. Reife Pfirsichnoten, ein Hauch Orange, dazu eine saure Mango-Note, die frech und belebend ist. Der niedrige Alkohol macht ihn zu einem vielseitigen Begleiter – zu asiatischer Küche genauso wie zu einem Sommernachmittag ohne großen Anlass. Ein Wein, dem man ein paar Jahre gönnen darf, wenn man möchte – dann entfaltet er sich zu noch mehr Komplexität.

    Weißburgunder

    Ja, Riesling dominiert die Mosel. Aber Johans Weißburgunder verdient einen kurzen Umweg. Grüner und gelber Apfel prägen das Bild, dazu eine frische, direkte Aromatik, die keinen Schnörkel braucht. Ein ehrlicher Wein, der nicht versucht, mehr zu sein als er ist – und genau deshalb gut funktioniert. Als Aperitif, zum Fisch, oder einfach für sich.

    Ein ehrliches Fazit

    Johan Jostock ist kein fertiger Winzer – und das meine ich als Kompliment. Er ist einer, der noch nicht am Ziel ist, weil er das Ziel immer weiter setzt. Die Weine sind auf einem sehr guten Niveau, besonders der Kabinett aus der Laurentiuslay zeigt bereits eine Reife und Präzision, die beeindruckt. Was ich mir für die Zukunft wünsche: noch mehr Mut, die einzelnen Lagen noch differenzierter herauszuarbeiten. Das Potenzial ist da – sowohl in den Weinbergen als auch im Keller.

    Eines ist sicher: Diesen Namen wird man öfter hören. Danke Johan für die tollen Weine.

    Euer Weinfreund

  • Anything but Chardonnay, aber warum eigentlich?

    Ich bin direkt ganz offen und ehrlich; ich liebe Chardonnay. Er kann einfach alles. Er kann sehr crispy und zitrisch sein, cremig mit Noten von Banane oder du bekommst viel Alkohol und Holzaromatik ins Gesicht. Aufgrund dieser schweren, hölzernen Bomben von Wein entstand um die 1990er Jahre die Welle der ABC- (Anything but Chardonnay) Trinker. Menschen die protestieren. Gegen Chardonnay. Jap… das kam weil jeder alles in Holz packen musste und viele es auch einfach nicht konnten. Deshalb hab ich heute einen wundervollen, holzig cremigen Chardonnay aus Italien am Start. Die Welle des Hasses gegenüber Chardonnay aus dem Holz mit viel Kraft hat sich zum Glück etwas gelegt, trotzdem gibt es stark unterschiedliche Meinungen zu diesem Prachtstück hier:

    Der Chardonnay von Planeta aus Menfi/Sizilien Jahrgang 2022. Hier hat man super viel für sein Geld knapp 30 Euro zahlt man zwar, bekommt aber eine super cremige Textur am Gaumen, Noten von Nüssen und sogar Marzipan. Ein Hammer Teil, vor allem, weil er trotzdem diese gewisse Frische mitbringt. Man spürt die Säure definitiv, aber sie ist nicht so extrem wie beispielsweise einem Chardonnay aus Chablis. Die cremige Textur und die holzigen Noten sind super angenehm, nicht so stark wie bei einem Chardonnay aus Kalifornien zum Beispiel. Meiner Meinung nach trifft Planeta hier genau den Soft Spot dieser beiden Welten. Und für uns Konsumenten macht das Trinken einfach nur Spaß.

    Einen Karton habe ich schon bestellt, vor allem um mal zu testen, wie er sich Jahr für Jahr noch entwickelt. Schöner Wein für einen schönen Abend. Cheers an Alle und viel Spaß euch. Ach ja und trinkt mehr Chardonnay, egal was irgendwelche Bewegungen sagen oder mal gesagt haben. Das Zeug schmeckt und das ist worauf es ankommt.

    Euer Weinfreund

  • Ein Anfang, Geschichte und ein Spätburgunder

    Spätburgunder. Die Rebsorte dir für viele Weininteressierte den Anfang ihrer Reise bildet und für viele auch zum Highlight wird. Ich war immer ein großer Gegner von ihm. Zu viel Säure, grobe Tannine und mit der Frucht war es auch nicht immer so ganz das Wahre. So dachte ich noch vor einem halben Jahr zumindest.

    Ich hatte gerade meinen WSET Stufe 2 hinter mir und wollte mich jetzt so richtig weiterbilden. Also bin ich mit 100 Euro zum naheliegenden Weinfachhandel und wollte mich mal eindecken. Dass dieser Laden ab dem Zeitpunkt mein neues Zuhause wurde war mir noch nicht klar.

    Erschlagen von der Auswahl, nahm ich mir 5 Weine mit. Einer davon der Schweigen Spätburgunder Ortswein vom Weingut Jülg für 29 Euro. Ich hatte Glück und die letzte Flasche des Jahrgangs 2021 erwischt. Die Vorfreude war groß, eine Erwartung an die Flasche hatte ich aber nicht. Ich ließ mir Zeit und an einem unbedeutendem Dienstag machte ich die Flasche einfach mal auf. Noch dazu hatte ich gerade ein Josephinenhütten Glas geschenkt bekommen. Was gibt es besseres um einen Dienstag Abend ausklingen zu lassen.

    Ich schenkte mir ein und nahm den ersten Schluck. Schwarze Johannisbeere, Kirsche, schöne Würze. Nicht so Tutti Frutti, sondern eine Kühle -eher Coolness- und Frische; wow! Elegant, aber saftig. Würzig, aber mit einer Finesse. Es hatte mich absolut umgehauen! Jetzt hatte ich verstanden, was die Leute meinen, wenn sie sagen, dass es „diesen einen Wein gibt“. Nur war es kein Big Player aus dem Burgund, sondern ein Pfälzer. Dieses Glas, was in einer Flasche endete, hatte meine Sicht auf diese Rebsorte komplett geändert.

    Mit 29 Euro natürlich nicht die günstigste Flasche, aber jeden Cent wert und das zeigt, was gerade in Deutschland in der Ortswein Kategorie mittlerweile alles möglich ist. Ein Must Buy für mich und falls sie es bis in den Weinkeller schafft auch eine Flasche die easy für noch 5 Jahre reifen kann. Ich bin auf jeden Fall jetzt ausgestattet und Jülg gehört damit definitiv zu meiner Daily Dose of Wine Gruppe.

    Danke an Jülg für diesen Wein.

    Euer Weinfreund