Autor: DailyWriter

  • WSET Level 2 – Was passiert, wenn man Wein plötzlich wirklich verstehen lernt

    Es gibt Momente, in denen sich etwas verändert. Nicht dramatisch, nicht über Nacht, aber plötzlich sitzt man mit einem Glas Wein in der Hand und denkt nicht mehr nur „schmeckt gut”, sondern fragt sich: Warum schmeckt das eigentlich so? Was hat die Lage damit zu tun? Warum ist dieser Chardonnay so anders als der letzte, obwohl beide aus dem Burgund kommen?

    Genau das ist das Geschenk des WSET Level 2. Und genau das habe ich letztes Jahr bei Lobenbergs in Bremen erlebt.

    Lobenbergs – mehr als ein Weinladen

    Wer Lobenbergs kennt, weiß: Das ist kein gewöhnlicher Weinhändler. Über 7.000 Weine, ein Team mit echter Leidenschaft und ein Anspruch, der weit über den Verkauf hinausgeht. Dass sie ihre Expertise inzwischen auch in einer eigenen Sommelier Academy bündeln, passt perfekt zu diesem Haus. Der Kurs findet ausschließlich in Präsenz in Bremen statt – und das hat seinen Grund. Wein lernt man nicht am Bildschirm. Man lernt ihn im Glas.

    Dozentin war Anja Breit – WSET-Educator, Weinscout bei Lobenbergs und ehemalige Head Sommelière im Londoner Spitzenrestaurant Ledbury. Wer so jemanden vor sich hat, merkt schnell: Das hier ist kein trockener Frontalunterricht. Das ist ansteckende Begeisterung, die aus jedem Satz spricht.

    Was man in drei Tagen lernt

    Der Kurs ist komprimiert, aber nie gehetzt. Drei Tage, viele Weine und eine Welt voller Erkenntnisse.

    Tag 1 beginnt mit dem Fundament:

    Wie wird Wein eigentlich gemacht? Welchen Einfluss haben Klima, Boden und Weinbergsarbeit auf das, was später im Glas landet? Warum schmeckt ein Riesling von der Mosel so anders als einer aus dem Elsass, obwohl es dieselbe Traube ist? Diese Fragen klingen simpel, die Antworten sind es nicht. Aber sie machen auf einmal vieles klar, was man vorher nur irgendwie gespürt hat.

    Dazu kommt das systematische Verkosten nach dem WSET-Schema. Farbe, Nase, Gaumen, Abgang – alles hat eine Struktur, eine Sprache. Am Anfang fühlt sich das etwas mechanisch an. Aber nach ein paar Weinen beginnt man zu verstehen, warum dieses Schema so wertvoll ist: Es zwingt einen, genau hinzuschauen – oder besser gesagt: hinzuschmecken.

    Tag 2 weitet den Blick auf die Welt.

    Die wichtigsten weißen und roten Rebsorten werden durchgearbeitet – Chardonnay, Sauvignon Blanc, Riesling, Pinot Gris auf der einen Seite, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir, Syrah und viele mehr auf der anderen. Dazu die Regionen: Bordeaux, Burgund, Rioja, Barossa, Marlborough – und wie dieselbe Rebsorte in unterschiedlichen Klimaten und Böden völlig verschiedene Weine hervorbringt. Jedes Thema wird direkt am Glas verankert. Theorie und Praxis greifen ineinander, fast wie von selbst.

    Tag 3 schließt den Kreis:

    Schaumweine, gespritete Weine, Etikettkunde, Lagerung, Foodpairing. Und dann die Prüfung. 50 Multiple-Choice-Fragen in 60 Minuten. Wer die drei Tage wirklich mitgegangen ist und sich noch etwas Zeit zum Nacharbeiten genommen hat, ist gut vorbereitet.

    Die Menschen machen den Unterschied

    Man könnte den besten Lehrplan der Welt haben, doch wenn die Gruppe nicht stimmt, geht etwas verloren. Eine Handvoll Menschen aus der Gastronomie und dem Weinhandel, alle mit einer echten Neugierde im Gepäck. Man lernt gemeinsam, trinkt gemeinsam und lacht gemeinsam. Das klingt wie eine Floskel, wer es aber in diesem Rahmen erlebt, versteht was dahintersteckt. Die Gespräche beim Mittagessen, der Austausch über Lieblingsweine, die kleinen Aha-Momente, die man gerne mit jemandem teilt. Genau das ist es, was solche Kurse weit über das reine Lernen hinaushebt.

    Das Abendprogramm – weil Wissen auch gefeiert werden darf

    Natürlich hätten wir abends auch einfach ins Hotel gehen können. Haben wir nicht.

    Lobenbergs ist mehr als ein Lernort – es ist ein Weinhaus mit einem Keller, der Geschichten erzählt. Und so wurden die Abende zu kleinen Verlängerungen des Tages: Flaschen, die man tagsüber theoretisch besprochen hatte, wurden abends praktisch geöffnet. Ältere Jahrgänge, Weine von Produzenten, über die man gerade erst gelesen hatte, spontane Diskussionen darüber, was man im Glas hatte und warum es einem gefiel oder nicht.

    Das ist der Unterschied zwischen Wissen und Verstehen. Das eine bekommt man aus Büchern. Das andere aus Momenten wie diesen.

    Und jetzt?

    Das WSET Level 2 Zertifikat liegt bei mir zu Hause. Aber das Wichtigste ist etwas anderes: Ich sitze seitdem anders mit einem Glas Wein am Tisch. Nicht arroganter oder überheblicher, sondern voller Neugier. Mit mehr Fragen und gleichzeitig mehr Antworten im Gepäck.

    Wer die Möglichkeit hat, diesen Kurs zu besuchen sollte das tun. Am besten bei Lobenbergs in Bremen. Ihr werdet es nicht bereuen.

    Für mich folgt als logische Konsequenz nun die WSET Level 3 Prüfung dieses Jahr. Ich halte euch auf dem Laufenden und sage danke an Lobenbergs

    Euer Weinfreund

  • Johan Jostock – Das junge Winzertalent

    Es gibt Weingüter, die man kennt. Und es gibt Weingüter, die man kennen sollte. Das Weingut Jostock-Bülhoff aus Leiwen an der Mittelmosel gehört eindeutig in die zweite Kategorie – und das liegt vor allem an einer Person: Johan Jostock.

    Wer ist Johan Jostock?

    Johan ist jung. Und genau das macht es so spannend, ihm zuzuschauen. Bevor er die Verantwortung im eigenen Betrieb übernahm, hat er sich seine Sporen bei zwei der renommiertesten Adressen der deutschen Weinwelt verdient: erst bei Egon Müller in Wiltingen an der Saar, dann bei Dr. Loosen in Bernkastel-Kues. Zwei Weingüter, die weltweit für Riesling auf höchstem Niveau stehen. Wer dort lernt, hat verstanden, worum es geht.

    Zurück in Leiwen setzt er seitdem eigene Akzente. Die Philosophie ist klar: naturnahe Arbeit im Weinberg, Terroir-Charakter im Glas. Keine großen Kompromisse, keine Abkürzungen. Die Weine sollen zeigen, wo sie herkommen – und das tun sie.

    Was ich an Johan schätze, ist diese Mischung aus Respekt für die Tradition und einem ehrlichen Gestaltungswillen. Er ist kein Winzer, der den Stil seiner Ausbildungsbetriebe kopiert. Er sucht seinen eigenen Weg. Und das hört man in der Flasche.

    Kommen wir nun zu den Weinen

    Riesling Köwericher Laurentiuslay Kabinett – Der Star des Abends

    Kommen wir zum Herzstück: dem Riesling aus der Laurentiuslay. Diese Lage ist keine gewöhnliche. Die Steigung erreicht bis zu 70 Prozent, der Boden ist blau-grauer Devonschiefer, der Hang ist nach Südwesten ausgerichtet und fängt jeden Sonnenstrahl ein, den die Mosel zu bieten hat. Im Hochsommer sind hier Temperaturen von über 60 Grad im Boden gemessen worden – das ist keine Idylle, das ist harte Arbeit für Rebe und Winzer.

    Johans Kabinett aus dieser Lage ist einer jener Weine, die einem zeigen, warum Mosel-Riesling so einzigartig ist. In der Nase ein ganzer Obstkorb – Pfirsich, Zitrusschale, ein Hauch weißer Blüten. Am Gaumen dann diese mineralische Frische, die nicht nachlässt. Leicht, gerade mal zehn Prozent Alkohol – und trotzdem hat der Wein Tiefe und Haltung. Das ist keine Leistung die selbstverständlich ist. Das ist Handwerk.

    Eine Silbermedaille bei der Landesprämierung für Wein und Sekt 2023 hat er bereits eingestrichen. Verdient.

    Gutsriesling

    Wer Johan Jostock noch nicht kennt, sollte hier einsteigen. Der Gutsriesling ist der Visitenkartenwein des Hauses. In der Nase macht er sofort auf sich aufmerksam und am Gaumen setzt sich diese Frische fort. Nichts Überladenes, nichts Gesuchtes – einfach ein Wein, der Spaß macht und gleichzeitig zeigt, dass hier jemand mit Stilgefühl arbeitet. Die Saftigkeit, die Johan als roten Faden durch sein Sortiment zieht, beginnt genau hier.

    Riesling Spätlese

    Wer denkt, Spätlesen seien altmodisch, liegt falsch. Johans Spätlese aus der Laurentiuslay ist ein Argument für die klassische Moselstilistik. Reife Pfirsichnoten, ein Hauch Orange, dazu eine saure Mango-Note, die frech und belebend ist. Der niedrige Alkohol macht ihn zu einem vielseitigen Begleiter – zu asiatischer Küche genauso wie zu einem Sommernachmittag ohne großen Anlass. Ein Wein, dem man ein paar Jahre gönnen darf, wenn man möchte – dann entfaltet er sich zu noch mehr Komplexität.

    Weißburgunder

    Ja, Riesling dominiert die Mosel. Aber Johans Weißburgunder verdient einen kurzen Umweg. Grüner und gelber Apfel prägen das Bild, dazu eine frische, direkte Aromatik, die keinen Schnörkel braucht. Ein ehrlicher Wein, der nicht versucht, mehr zu sein als er ist – und genau deshalb gut funktioniert. Als Aperitif, zum Fisch, oder einfach für sich.

    Ein ehrliches Fazit

    Johan Jostock ist kein fertiger Winzer – und das meine ich als Kompliment. Er ist einer, der noch nicht am Ziel ist, weil er das Ziel immer weiter setzt. Die Weine sind auf einem sehr guten Niveau, besonders der Kabinett aus der Laurentiuslay zeigt bereits eine Reife und Präzision, die beeindruckt. Was ich mir für die Zukunft wünsche: noch mehr Mut, die einzelnen Lagen noch differenzierter herauszuarbeiten. Das Potenzial ist da – sowohl in den Weinbergen als auch im Keller.

    Eines ist sicher: Diesen Namen wird man öfter hören. Danke Johan für die tollen Weine.

    Euer Weinfreund

  • Zwischen Chaos, Wein und Menschen – Rückblick auf die VDP Weinbörse 2026

    Seit über 50 Jahren ist die VDP Weinbörse die weltweit führende Fachmesse für deutschen Spitzenwein  – und trotzdem überrascht sie mich jedes Mal aufs Neue. Dieses Jahr war ich zwei Tage dabei, und was soll ich sagen: Es war intensiv, laut, manchmal etwas chaotisch, aber alles in allem eine tolle Zeit.

    Tag 1 – Zwischen Andrang und großen Weinen

    Die Rheingoldhalle in Mainz öffnete am Sonntag ihre Türen von 10 bis 18 Uhr und gefühlt wollten alle gleichzeitig rein. Die Halle war voll. Sehr voll. Wer geglaubt hat, gemütlich von Stand zu Stand zu schlendern, wurde schnell eines Besseren belehrt. Ellenbogen raus, Glas festhalten, Lächeln bewahren – so lautet die inoffizielle Devise.

    Essen? Gute Frage. Wer nicht früh genug dran war, hatte Pech gehabt. Gefühlt war gegen Mittag das Angebot auf eine einzige Option zusammengeschrumpft. Für eine Veranstaltung dieser Größe definitiv ein Punkt, den die Organisatoren nächstes Jahr im Blick behalten sollten. Aber gut – wir sind ja wegen des Weins gekommen.

    Und da wurde ich mehr als entschädigt.

    Weingut Salwey aus dem Kaiserstuhl hat mich mit seiner präzisen, fast kristallinen Stilistik mal wieder beeindruckt. Die Weine von Salwey sind klar, vollständig durchgegoren und werden maßgeblich von den Löß- und Vulkanböden geprägt  – und das spürt man wirklich bei jedem Schluck. Besonders hervorgestochen ist für mich der Grauburgunder Eichberg Großes Gewächs: er kommt aus der wärmsten Lage, die Salwey zu bieten hat, was ihm Kraft und Volumen verleiht. Daneben hat mich auch der Spätburgunder Eichberg GG beeindruckt – ein Rotwein, der zeigt, was vulkanischer Boden am Kaiserstuhl wirklich leisten kann.

    Rings aus der Pfalz ist immer wieder ein Erlebnis. Die Brüder Steffen und Andreas haben ein untrügliches Gespür für den Lagencharakter ihrer Weine. Vom weltberühmten Kallstadter Saumagen über den extrem mineralischen Steinacker bis hin zum expressiven Terra Rossa des Ungsteiner Weilberg – die Weine dieser Lagen sind einzigartig.  Ich habe mich vor allem in den Riesling Saumagen Großes Gewächs verliebt: karg, salzig, mit einer Tiefe, die einen nicht loslässt. Gleich daneben hat der Spätburgunder Felsenberg GG – ihre alte, vergessene Lage in Leistadt, die zu 100 Prozent mit Spätburgunder bepflanzt ist und nur im Besitz von Rings ist  – alle Erwartungen übertroffen.

    Jülg aus dem äußersten Süden der Pfalz ist ein Name, der bei manchen noch nicht sofort auf der Zunge liegt – und genau das ist das Schöne. Die beste Lage des Weinguts ist der Schweigener Sonnenberg, der sich bis auf französisches Territorium erstreckt , und genau diesen Grenzcharakter spürt man in den Weinen. Der Kammerberg Spätburgunder Großes Gewächs hat mich förmlich in den Boden gedrückt: der Kalkmergeluntergrund und die starke Südausrichtung sorgen für reife, feste Tannine mit großem Alterungspotenzial.  Dazu der Sonnenberg Weißburgunder Erste Lage – elegant, würzig, mit einer cremigen Textur, die lange nachhallt.

    Und dann Wöhrle aus Baden: ein Name, der vielleicht nicht jedem sofort auf der Zunge liegt, aber genau das ist das Schöne an einer Messe wie dieser. Weine, die überraschen, die Geschichten erzählen. Der Auxerrois – eine selten anzutreffende Rarität – war eine kleine Offenbarung: fein, würzig, mit einer delikaten Exotik, die man in Deutschland kaum erwartet. Daneben hat mich ein Spätburgunder aus dem Haus ebenfalls positiv überrascht – rotfruchtig, klar, mit burgundischem Gespür. Wöhrle ist eine der Entdeckungen, für die man solche Messen liebt.

    Tag 2 – Spätburgunder, wohin das Auge reicht

    Montag – und ich war früh da. Weiser geworden vom Vortag, direkt los zu den Weingütern, die ich mir für den zweiten Tag aufgespart hatte. Und was für ein Tag das wurde.

    Rudolf Fürst aus Franken hat mich regelrecht sprachlos gemacht. Der Centgrafenberg ist die zeitlose, klassische Große Lage für Spätburgunder – mit bis zu 40 Prozent Hangneigung und einem Boden aus rotem Buntsandstein. Der Spätburgunder Centgrafenberg Großes Gewächs ist Meditation in Glasform: charmante Eleganz, eine kühle, tiefe Beerenfrucht, unterlegt von Morgentau und frischen Pfingstrosen  – burgundische Finesse mit fränkischem Selbstbewusstsein. Wer das einmal getrunken hat, versteht, warum dieser Name in einem Atemzug mit den Großen der Welt genannt wird. Daneben hat mich der Spätburgunder Schlossberg GG aus Klingenberg stark beeindruckt: warm, fein und seidig  – ein ganz anderer Charakter als der Centgrafenberg, aber auf derselben Höhe.

    Robert Weil aus dem Rheingau stand dem in nichts nach. Das Weingut baut auf 90 Hektar ausschließlich Riesling an , und der Fokus und die Konsequenz, die das bedeutet, sind in jedem Wein spürbar. Der Kiedrich Gräfenberg Riesling Großes Gewächs ist komplex, mit feiner Struktur und Mineralität sowie einem langen, kraftvollen Abgang  – ein Wein, der Zeit braucht und es wert ist. Die Gräfenberg Spätlese dagegen ist das genaue Gegenteil von schwer: schlank, tänzerisch, von einer Klarheit, die man so kaum erwartet.

    Van Volxem von der Saar hat wie immer polarisiert – und genau das liebe ich daran. Die Weine sind im Alkoholgehalt bewusst sehr leicht und damit äußerst verträglich, mineralisch und mit opulenter Rieslingfrucht  – Weine mit Lagenprofil und Langlebigkeit. Der Scharzhofberger Riesling GG ist von schlanker, gerader Eleganz mit außergewöhnlicher Reinheit, Länge und Frische sowie knackigen Schieferaromen . Daneben hat der Saar-Riesling Gutswein überraschend viel Charakter für einen Einstiegswein – ein perfekter Begleiter für einen langen Abend.

    Aus der Pfalz zwei Namen, die ich in meiner Erinnerung dieses Jahr ganz besonders verankert habe:

    Fitz-Ritter aus Bad Dürkheim ist ein Weingut mit einer besonderen Geschichte: bereits vor über 110 Jahren Mitbegründer des VDP  und damit einer der Urväter des Qualitätsgedankens in Deutschland. Das spürt man in den Weinen. Der Michelsberg Riesling GG – eine Große Lage in Bad Dürkheim – zeigte sich präzise und druckvoll, mit feiner Muschelkalk-Mineralik. Daneben hat der Herrenberg Riesling GG aus Ungstein noch eine spur mehr Würze mitgebracht – ein Wein, der einem nicht loslässt.

    Und Friedrich Becker, der mich bereits zum wiederholten Mal förmlich vom Hocker gehauen hat. Die Speerspitze sind die zwei Spätburgunder Großen Gewächse Sankt Paul und Kammerberg – beide wachsen auf der französischen Seite in kleinen Weinbergslagen, beide auf Kalkstein . Der SP – Sankt Paul war für mich das Highlight: floraler und transparenter als der Kammerberg, mit leuchtender Himbeere und roter Pflaume, akzentuiert durch Leder und Waldbodennoten  – ein frischer, belebender Rotwein mit Tiefe. Der KB – Kammerberg dagegen ist der dunklere, erdigere Bruder: kraftvoller, dicht, mit enormem Lagerpotenzial. Beide zusammen sind ein Argument dafür, dass die Pfalz kein Dornfelder-Land ist.

    Abschluss mit Stil: Steins Traube

    Nach zwei intensiven Tagen auf den Beinen, dem Glas in der Hand und dem Kopf voller Eindrücke, brauchte es einen würdigen Abschluss. Den haben wir gefunden – in Steins Traube in Mainz-Finthen.

    Was als Dorfwirtschaft im frühen 20. Jahrhundert begann, hat sich über Jahrzehnte zu einem modernen Restaurant mit anspruchsvoller Küche entwickelt . Küchenchef Philipp Stein – in der sechsten Generation am Herd – verkörpert eine zurückhaltende Eleganz in der Küche, die aber bei Bedarf auch mutig innovativ wird . Das Menü war genau das, was man nach zwei Tagen Weinbörse braucht: durchdacht, handwerklich brillant, ohne zu erschlagen.

    Das eigentlich Besondere aber war die Weinbegleitung. Im Weinkeller stehen große Namen in beeindruckender Jahrgangstiefe – bis zu zehn Jahrgänge eines Weins – neben neuen Entdeckungen . Und genau das haben wir ausgenutzt: Gereifte Weine zu einem Menü, das ihnen Raum gab. Ein älterer Riesling aus der Saar, der sich nach Jahren in der Flasche vollständig geöffnet hatte. Ein gereifter Spätburgunder, der Tertiarität und Frische in einer Balance zeigte, die jung unmöglich gewesen wäre.

    Es gibt kaum einen Ort, an dem ich das Ende einer Messe hätte lieber ausklingen lassen. Vielen Dank für Alles.

    Bis nächstes Jahr, Mainz. 🍷

    Euer Weinfreund

  • Immer diese Weinpakete

    Ich habe mir letztens ein Weinpaket bei einem renommiertem Onlineshop bestellt. 100 Euro hat mich das ganze gekostet für 12 Flaschen. Hört sich als Verbraucher natürlich erstmal super an, im Schnitt sind das ja unter 10 Euro pro Flasche. Und gerade wir Deutschen sind was das angeht sehr knauserig. Die meisten Leute geben für die Flasche Wein nicht mehr als 5 Euro aus. Ich hätte daher eigentlich erwarten können, dass das nichts wird. Von 12 Flaschen haben mir persönlich gerade einmal 2 Stück geschmeckt, wobei davon nur eine Flasche eine Bewertung von über 85 hatte. Für nur diese eine Flasche hätte ich 10 Euro gezahlt, so hatte ich das 10 fache geblecht; für eine gute Flasche Wein und 11 neue Erfahrungswerte.

    Der wichtigste aber war auf jeden Fall, das Weinpakete vielleicht hilfreich sind, um sich durch Rebsorten durchzuprobieren und um eine gewisse Masse für (vermeintlich) wenig Geld zu haben; im Endeffekt aber nicht für den Genuss gedacht sind. Naja, zumindest in diesem Preisrahmen. Wenn man für 6 Flaschen 100 Euro in die Hand nimmt, sieht das ganze schon wieder besser aus. Noch interessanter wird das ganze bei 3 bis 4 Flaschen. Dann fängt es an so richtig Spaß zu machen. Man merkt also schnell, dass guter Wein für den Genuss zwar nicht immer so günstig ist, wie vielleicht die 5 Euro Flasche im Supermarkt, man aber auch keine 50 Euro ausgeben muss für eine Flasche im Fachhandel.

    Meiner Erfahrung nach liegt der Softspot irgendwo zwischen 10 und 30, vielleicht 35 Euro, die Flasche. Dann bekommt man schon was richtig gutes für sein Geld. Ich persönlich werde in Zukunft auf jeden Fall zu einem Händler gehen und ihn für 100 Euro eine kleine Weinauswahl für mich erstellen lassen. Ein Tipp von mir, vermeidet wenn es geht die größeren Ketten und sucht euch Weinfachhändler im Umkreis die vielleicht sogar ein wenig kleiner sind. Dort gibt es in der Regel nicht nur den Primitivo und Grauburgunder für nen Zehner, sondern auch manchmal kleine Schätze für gutes Geld. Wenn ihr aber nur den Kollegen Jaques in der Nähe habt, dann versucht zumindest euch auf nur eine Hand voll Flaschen zu begrenzen und startet vielleicht auch nur mit einer Rebsorte, aber aus unterschiedlichen Gebieten. So könnt ihr direkt Charakteristika der Sorten und Anbaugebiete verknüpfen und trinkt trotzdem guten Stoff.

    Egal wie ihr es am Ende des Tages macht, merkt euch bitte nur eins. Guter Wein kostet, zumindest ein bisschen was. Bei einem Döner für 2 Euro würde heutzutage auch jeder hellhörig werden und hinterfragen, wie die Produkte denn Qualität haben können. Und das ganze ohne weitere Kosten wie Personal und Mietkosten für den Laden mit eingerechnet. Und wenn ihr mal ein Weinpaket bestellt, achtet immer darauf wie viele Flaschen ihr für das Geld bekommt. Und zur Not nehmt lieber weniger als mehr um bei der Qualität keine Abstriche zu machen.

    Meine restlichen Weine werden jetzt zum Kochen benutzt. Denn ja, ich habe das Weinpaket in doppelter Ausführung bestellt… Viel Spaß beim Shoppen und Cheers.

    Euer Weinfreund

  • Anything but Chardonnay, aber warum eigentlich?

    Ich bin direkt ganz offen und ehrlich; ich liebe Chardonnay. Er kann einfach alles. Er kann sehr crispy und zitrisch sein, cremig mit Noten von Banane oder du bekommst viel Alkohol und Holzaromatik ins Gesicht. Aufgrund dieser schweren, hölzernen Bomben von Wein entstand um die 1990er Jahre die Welle der ABC- (Anything but Chardonnay) Trinker. Menschen die protestieren. Gegen Chardonnay. Jap… das kam weil jeder alles in Holz packen musste und viele es auch einfach nicht konnten. Deshalb hab ich heute einen wundervollen, holzig cremigen Chardonnay aus Italien am Start. Die Welle des Hasses gegenüber Chardonnay aus dem Holz mit viel Kraft hat sich zum Glück etwas gelegt, trotzdem gibt es stark unterschiedliche Meinungen zu diesem Prachtstück hier:

    Der Chardonnay von Planeta aus Menfi/Sizilien Jahrgang 2022. Hier hat man super viel für sein Geld knapp 30 Euro zahlt man zwar, bekommt aber eine super cremige Textur am Gaumen, Noten von Nüssen und sogar Marzipan. Ein Hammer Teil, vor allem, weil er trotzdem diese gewisse Frische mitbringt. Man spürt die Säure definitiv, aber sie ist nicht so extrem wie beispielsweise einem Chardonnay aus Chablis. Die cremige Textur und die holzigen Noten sind super angenehm, nicht so stark wie bei einem Chardonnay aus Kalifornien zum Beispiel. Meiner Meinung nach trifft Planeta hier genau den Soft Spot dieser beiden Welten. Und für uns Konsumenten macht das Trinken einfach nur Spaß.

    Einen Karton habe ich schon bestellt, vor allem um mal zu testen, wie er sich Jahr für Jahr noch entwickelt. Schöner Wein für einen schönen Abend. Cheers an Alle und viel Spaß euch. Ach ja und trinkt mehr Chardonnay, egal was irgendwelche Bewegungen sagen oder mal gesagt haben. Das Zeug schmeckt und das ist worauf es ankommt.

    Euer Weinfreund

  • Ein Anfang, Geschichte und ein Spätburgunder

    Spätburgunder. Die Rebsorte dir für viele Weininteressierte den Anfang ihrer Reise bildet und für viele auch zum Highlight wird. Ich war immer ein großer Gegner von ihm. Zu viel Säure, grobe Tannine und mit der Frucht war es auch nicht immer so ganz das Wahre. So dachte ich noch vor einem halben Jahr zumindest.

    Ich hatte gerade meinen WSET Stufe 2 hinter mir und wollte mich jetzt so richtig weiterbilden. Also bin ich mit 100 Euro zum naheliegenden Weinfachhandel und wollte mich mal eindecken. Dass dieser Laden ab dem Zeitpunkt mein neues Zuhause wurde war mir noch nicht klar.

    Erschlagen von der Auswahl, nahm ich mir 5 Weine mit. Einer davon der Schweigen Spätburgunder Ortswein vom Weingut Jülg für 29 Euro. Ich hatte Glück und die letzte Flasche des Jahrgangs 2021 erwischt. Die Vorfreude war groß, eine Erwartung an die Flasche hatte ich aber nicht. Ich ließ mir Zeit und an einem unbedeutendem Dienstag machte ich die Flasche einfach mal auf. Noch dazu hatte ich gerade ein Josephinenhütten Glas geschenkt bekommen. Was gibt es besseres um einen Dienstag Abend ausklingen zu lassen.

    Ich schenkte mir ein und nahm den ersten Schluck. Schwarze Johannisbeere, Kirsche, schöne Würze. Nicht so Tutti Frutti, sondern eine Kühle -eher Coolness- und Frische; wow! Elegant, aber saftig. Würzig, aber mit einer Finesse. Es hatte mich absolut umgehauen! Jetzt hatte ich verstanden, was die Leute meinen, wenn sie sagen, dass es „diesen einen Wein gibt“. Nur war es kein Big Player aus dem Burgund, sondern ein Pfälzer. Dieses Glas, was in einer Flasche endete, hatte meine Sicht auf diese Rebsorte komplett geändert.

    Mit 29 Euro natürlich nicht die günstigste Flasche, aber jeden Cent wert und das zeigt, was gerade in Deutschland in der Ortswein Kategorie mittlerweile alles möglich ist. Ein Must Buy für mich und falls sie es bis in den Weinkeller schafft auch eine Flasche die easy für noch 5 Jahre reifen kann. Ich bin auf jeden Fall jetzt ausgestattet und Jülg gehört damit definitiv zu meiner Daily Dose of Wine Gruppe.

    Danke an Jülg für diesen Wein.

    Euer Weinfreund