Es gibt Momente, in denen sich etwas verändert. Nicht dramatisch, nicht über Nacht, aber plötzlich sitzt man mit einem Glas Wein in der Hand und denkt nicht mehr nur „schmeckt gut”, sondern fragt sich: Warum schmeckt das eigentlich so? Was hat die Lage damit zu tun? Warum ist dieser Chardonnay so anders als der letzte, obwohl beide aus dem Burgund kommen?
Genau das ist das Geschenk des WSET Level 2. Und genau das habe ich letztes Jahr bei Lobenbergs in Bremen erlebt.
Lobenbergs – mehr als ein Weinladen
Wer Lobenbergs kennt, weiß: Das ist kein gewöhnlicher Weinhändler. Über 7.000 Weine, ein Team mit echter Leidenschaft und ein Anspruch, der weit über den Verkauf hinausgeht. Dass sie ihre Expertise inzwischen auch in einer eigenen Sommelier Academy bündeln, passt perfekt zu diesem Haus. Der Kurs findet ausschließlich in Präsenz in Bremen statt – und das hat seinen Grund. Wein lernt man nicht am Bildschirm. Man lernt ihn im Glas.
Dozentin war Anja Breit – WSET-Educator, Weinscout bei Lobenbergs und ehemalige Head Sommelière im Londoner Spitzenrestaurant Ledbury. Wer so jemanden vor sich hat, merkt schnell: Das hier ist kein trockener Frontalunterricht. Das ist ansteckende Begeisterung, die aus jedem Satz spricht.
Was man in drei Tagen lernt
Der Kurs ist komprimiert, aber nie gehetzt. Drei Tage, viele Weine und eine Welt voller Erkenntnisse.
Tag 1 beginnt mit dem Fundament:
Wie wird Wein eigentlich gemacht? Welchen Einfluss haben Klima, Boden und Weinbergsarbeit auf das, was später im Glas landet? Warum schmeckt ein Riesling von der Mosel so anders als einer aus dem Elsass, obwohl es dieselbe Traube ist? Diese Fragen klingen simpel, die Antworten sind es nicht. Aber sie machen auf einmal vieles klar, was man vorher nur irgendwie gespürt hat.
Dazu kommt das systematische Verkosten nach dem WSET-Schema. Farbe, Nase, Gaumen, Abgang – alles hat eine Struktur, eine Sprache. Am Anfang fühlt sich das etwas mechanisch an. Aber nach ein paar Weinen beginnt man zu verstehen, warum dieses Schema so wertvoll ist: Es zwingt einen, genau hinzuschauen – oder besser gesagt: hinzuschmecken.
Tag 2 weitet den Blick auf die Welt.
Die wichtigsten weißen und roten Rebsorten werden durchgearbeitet – Chardonnay, Sauvignon Blanc, Riesling, Pinot Gris auf der einen Seite, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir, Syrah und viele mehr auf der anderen. Dazu die Regionen: Bordeaux, Burgund, Rioja, Barossa, Marlborough – und wie dieselbe Rebsorte in unterschiedlichen Klimaten und Böden völlig verschiedene Weine hervorbringt. Jedes Thema wird direkt am Glas verankert. Theorie und Praxis greifen ineinander, fast wie von selbst.
Tag 3 schließt den Kreis:
Schaumweine, gespritete Weine, Etikettkunde, Lagerung, Foodpairing. Und dann die Prüfung. 50 Multiple-Choice-Fragen in 60 Minuten. Wer die drei Tage wirklich mitgegangen ist und sich noch etwas Zeit zum Nacharbeiten genommen hat, ist gut vorbereitet.
Die Menschen machen den Unterschied
Man könnte den besten Lehrplan der Welt haben, doch wenn die Gruppe nicht stimmt, geht etwas verloren. Eine Handvoll Menschen aus der Gastronomie und dem Weinhandel, alle mit einer echten Neugierde im Gepäck. Man lernt gemeinsam, trinkt gemeinsam und lacht gemeinsam. Das klingt wie eine Floskel, wer es aber in diesem Rahmen erlebt, versteht was dahintersteckt. Die Gespräche beim Mittagessen, der Austausch über Lieblingsweine, die kleinen Aha-Momente, die man gerne mit jemandem teilt. Genau das ist es, was solche Kurse weit über das reine Lernen hinaushebt.
Das Abendprogramm – weil Wissen auch gefeiert werden darf
Natürlich hätten wir abends auch einfach ins Hotel gehen können. Haben wir nicht.
Lobenbergs ist mehr als ein Lernort – es ist ein Weinhaus mit einem Keller, der Geschichten erzählt. Und so wurden die Abende zu kleinen Verlängerungen des Tages: Flaschen, die man tagsüber theoretisch besprochen hatte, wurden abends praktisch geöffnet. Ältere Jahrgänge, Weine von Produzenten, über die man gerade erst gelesen hatte, spontane Diskussionen darüber, was man im Glas hatte und warum es einem gefiel oder nicht.
Das ist der Unterschied zwischen Wissen und Verstehen. Das eine bekommt man aus Büchern. Das andere aus Momenten wie diesen.
Und jetzt?
Das WSET Level 2 Zertifikat liegt bei mir zu Hause. Aber das Wichtigste ist etwas anderes: Ich sitze seitdem anders mit einem Glas Wein am Tisch. Nicht arroganter oder überheblicher, sondern voller Neugier. Mit mehr Fragen und gleichzeitig mehr Antworten im Gepäck.
Wer die Möglichkeit hat, diesen Kurs zu besuchen sollte das tun. Am besten bei Lobenbergs in Bremen. Ihr werdet es nicht bereuen.
Für mich folgt als logische Konsequenz nun die WSET Level 3 Prüfung dieses Jahr. Ich halte euch auf dem Laufenden und sage danke an Lobenbergs
Euer Weinfreund